Die vorliegende Studie untersucht die Entwicklung der italienischen Theologie in den Jahrzehnten vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Dabei werden die doktrinären Ausrichtungen, institutionellen Einflüsse sowie die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen intellektuellen Strömungen analysiert. Die italienische Theologie war in weiten Teilen dieses Zeitraums stark vom neuscholastischen Paradigma geprägt, das maßgeblich von den römischen Universitäten, insbesondere der Lateran- und der Gregoriana, beeinflusst wurde. Eine defensive Haltung gegenüber der modernen Philosophie kennzeichnete diese Epoche. Die Schließung der theologischen Fakultäten an den staatlichen Universitäten im Jahr 1873 verstärkte die intellektuelle Isolation und förderte unter Pius XII. eine apologetische sowie hierarchische Ausrichtung. Gleichzeitig bildeten sich jedoch erste Erneuerungsbewegungen, insbesondere am Päpstlichen Bibelinstitut und an der Theologischen Fakultät von Venegono. Der Artikel bietet eine umfassende historiografische Analyse dieser komplexen Dynamiken und stützt sich auf die neueste Forschung. Dabei werden auch neue Erkenntnisse berücksichtigt, die durch die kürzlich erfolgte Öffnung der Archive von Pius XII. zugänglich wurden. Die Neubewertung des italienischen theologischen Diskurses im Lichte dieser Quellen ermöglicht eine differenzierte Perspektive auf das Spannungsverhältnis von Tradition und Reform, das das Zweite Vatikanische Konzil prägte. This study examines the evolution of Italian theology in the decades preceding the Second Vatican Council, analyzing its doctrinal orientations, institutional influences, and responses to contemporary intellectual currents. For much of this period, Italian theology remained entrenched in the neo-scholastic paradigm, a system heavily shaped by the Roman pontifical universities—particularly the Lateran and Gregorian—and characterized by a defensive posture toward modern philosophical thought. The suppression of theological faculties in state universities after 1873 further deepened this intellectual isolation, reinforcing an apologetic and hierarchical approach under Pius XII. Yet, movements for theological renewal began to emerge, most notably at the Pontifical Biblical Institute and the theological school of Venegono. This article provides a broad historiographical overview of these complex dynamics, drawing on the latest scholarship and incorporating new research perspectives made possible by the recent opening of the Pius XII archives. By reassessing Italian theological discourse in light of these newly accessible sources, it offers a more nuanced understanding of the tensions between tradition and reform that ultimately shaped the Second Vatican Council.

Sergio, M.L. (2025). Die italienische Theologie im Vorfeld des Zweiten Vatikanums. In U.P. Dries Bosschaert (a cura di), Das Zweite Vatikanische Konzil – Ereignis und Auftrag. (pp. 98-118). Freiburg : Verlag Herder GmbH.

Die italienische Theologie im Vorfeld des Zweiten Vatikanums

Sergio, Marialuisa Lucia
2025-01-01

Abstract

Die vorliegende Studie untersucht die Entwicklung der italienischen Theologie in den Jahrzehnten vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Dabei werden die doktrinären Ausrichtungen, institutionellen Einflüsse sowie die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen intellektuellen Strömungen analysiert. Die italienische Theologie war in weiten Teilen dieses Zeitraums stark vom neuscholastischen Paradigma geprägt, das maßgeblich von den römischen Universitäten, insbesondere der Lateran- und der Gregoriana, beeinflusst wurde. Eine defensive Haltung gegenüber der modernen Philosophie kennzeichnete diese Epoche. Die Schließung der theologischen Fakultäten an den staatlichen Universitäten im Jahr 1873 verstärkte die intellektuelle Isolation und förderte unter Pius XII. eine apologetische sowie hierarchische Ausrichtung. Gleichzeitig bildeten sich jedoch erste Erneuerungsbewegungen, insbesondere am Päpstlichen Bibelinstitut und an der Theologischen Fakultät von Venegono. Der Artikel bietet eine umfassende historiografische Analyse dieser komplexen Dynamiken und stützt sich auf die neueste Forschung. Dabei werden auch neue Erkenntnisse berücksichtigt, die durch die kürzlich erfolgte Öffnung der Archive von Pius XII. zugänglich wurden. Die Neubewertung des italienischen theologischen Diskurses im Lichte dieser Quellen ermöglicht eine differenzierte Perspektive auf das Spannungsverhältnis von Tradition und Reform, das das Zweite Vatikanische Konzil prägte. This study examines the evolution of Italian theology in the decades preceding the Second Vatican Council, analyzing its doctrinal orientations, institutional influences, and responses to contemporary intellectual currents. For much of this period, Italian theology remained entrenched in the neo-scholastic paradigm, a system heavily shaped by the Roman pontifical universities—particularly the Lateran and Gregorian—and characterized by a defensive posture toward modern philosophical thought. The suppression of theological faculties in state universities after 1873 further deepened this intellectual isolation, reinforcing an apologetic and hierarchical approach under Pius XII. Yet, movements for theological renewal began to emerge, most notably at the Pontifical Biblical Institute and the theological school of Venegono. This article provides a broad historiographical overview of these complex dynamics, drawing on the latest scholarship and incorporating new research perspectives made possible by the recent opening of the Pius XII archives. By reassessing Italian theological discourse in light of these newly accessible sources, it offers a more nuanced understanding of the tensions between tradition and reform that ultimately shaped the Second Vatican Council.
2025
978-3-451-02406-1
Sergio, M.L. (2025). Die italienische Theologie im Vorfeld des Zweiten Vatikanums. In U.P. Dries Bosschaert (a cura di), Das Zweite Vatikanische Konzil – Ereignis und Auftrag. (pp. 98-118). Freiburg : Verlag Herder GmbH.
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