Mocan M (2017). Ficta et adumbrata: der „Schatten“ zwischen Dichtung und Allegorie in der italienischen Kultur des Due- und Trecento. ROMANISCHE STUDIEN, 5.

Ficta et adumbrata: der „Schatten“ zwischen Dichtung und Allegorie in der italienischen Kultur des Due- und Trecento

MOCAN, MIRA VERONICA
2017

Einige wichtige Aspekte der im Spätmittelalter dem Schatten zugeschriebenen Erkenntnisvalenz gehen aus der Analyse des italienischen Begriffes adombrare hervor, dessen Bedeutungen sich zwischen zwei antithetischen Polen, wie „mit Schatten bedecken, verstecken", aber auch „darstellen, vorstellen, einbilden, denken" erstrecken. Im 14. Jahrhundert entwickelt sich adombrare zum Fachausdruck der Kunstterminologie, wie es das Libro dell'arte von Cennino Cennini beweist, während in mittellateinischen Texten schriftlicher Exegese der Begriff adumbratio den Prozess der Übersetzung der spirituellen Wahrheiten in Bild und Allegorie andeutet. Das Motiv wird schon im 12. Jahrhundert, im Bereich der Schule von St. Victor, mit der lebhaften Debatte über die Funktion des Bildes als Mittel der Erkenntnis und spirituellen Erbauung in Verbindung gebracht; aber auch in der franziskanischen Tradition des späten 13. Jahrhunderts lassen sich bemerkenswerte Verweise auf die "Manipulation" des Schattens finden, und sogar auf adombrare im malerischen Sinne, mit Bezug auf die Kontemplation. Im literarischen Bereich findet man den ersten Beleg in Dantes Komödie, wo das Thema des Schattens oft eine methapoetische Valenz hat, aber auch in Petrarcas Werk trifft man ihn mit einer weiten Spanne von Konnotationen an. In den meisten dieser Fälle rufen die Bedeutungen von adombrare, begrifflich gesehen, das Thema des künstlerischen oder literarischen Schaffens auf den Plan, und, in weiter gefasstem Sinne, das Verhältnis zwischen Imagination und Erkenntnis. Der Vortrag wird daher, in bedeutungs- und kulturgeschichtlicher Hinsicht, einige Momente beleuchten, in denen zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert der Schatten als Symbol und Metapher der schöpferischen Macht der Imagination und der Dichtung gilt, mit besonderer Berücksichtigung Dantes und Petrarcas, und das entlang einer Entwicklungslinie, die die im religiösen Allegorismus anzutreffenden Überlegungen über das Verhältnis von Text und Bild mit der italienischen Dichtung des Due- Trecento verbindet.
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